+SYS.2.6 Virtual Desktop Infrastructure
---+SYS.2.6.G1 Qualitätsverlust der Bereitstellung virtueller Clients
---+SYS.2.6.G2 Falsche Zuweisung von virtuellen Clients zu Benutzenden
---+SYS.2.6.G3 Unzureichende Netztrennung durch Fehlkonfiguration in der VDI
---+SYS.2.6.G4 Verlust von virtuellen Clients durch Fehlkonfiguration in der VDI
---+SYS.2.6.G5 Ausfall von VDI-Komponenten
---+SYS.2.6.G6 Unberechtigter Zugriff auf virtuelle Clients
---+SYS.2.6.G7 Nutzung von Templates mit Software-Schwachstellen
---+SYS.2.6.A1 Planung des Einsatzes einer VDI (B)
---+SYS.2.6.A2 Sichere Installation und Konfiguration der VDI-Komponenten (B)
---+SYS.2.6.A3 Sichere Installation und Konfiguration der virtuellen Clients mithilfe der VDI (S)
---+SYS.2.6.A4 Netzsegmentierung der VDI-Komponenten (S) [Planende]
---+SYS.2.6.A5 Standardisierter Zugriff auf virtuelle Clients (S)
---+SYS.2.6.A6 Verwendung einer dedizierten Infrastruktur für virtuelle VDI-Komponenten (S)
---+SYS.2.6.A7 Härtung der virtualisierten Clients durch die VDI-Lösung (S)
---+SYS.2.6.A8 Härtung der VDI-Lösung (S)
---+SYS.2.6.A9 Einbindung der virtuellen Clients in das Patch- und Änderungsmanagement (S)
---+SYS.2.6.A10 Monitoring von Verfügbarkeit und Nutzungsgrad der VDI (S)
---+SYS.2.6.A11 Monitoring von sicherheitsrelevanten Ereignissen der VDI (S)
---+SYS.2.6.A12 Verteilung von virtuellen Clients auf Virtualisierungsservern (S)
---+SYS.2.6.A13 Verwendung getrennter VDI-Lösungen für unterschiedliche Benutzendengruppen (H)
---+SYS.2.6.A14 Verwendung von nicht-persistenten virtuellen Clients (H)
---+SYS.2.6.A15 Hochverfügbare Bereitstellung der VDI-Komponenten (H)
---+SYS.2.6.A16 Integration der VDI in ein SIEM (H)

SYS.2.6 Virtual Desktop Infrastructure

Einleitung

Eine Virtual Desktop Infrastructure (VDI) steuert und verwaltet standardisierte virtuelle Clients. Hierdurch können zentralisiert einzelne Anwendungen (z. B. Office-Programme) oder ganze Desktops zur Verfügung gestellt werden. Virtuelle Clients sind dabei virtualisierte IT-Systeme, auf die über Terminalserver-Protokolle zugegriffen werden kann. Die virtuellen Clients werden auf Virtualisierungsservern ausgeführt, die mit einem Managementsystem zu einer Virtualisierungsinfrastruktur zusammengefasst werden (siehe Bausteine SYS.1.5 Virtualisierung und SYS.2.5 Client-Virtualisierung).

Je nachdem, welches Produkt eingesetzt wird, besteht eine VDI typischerweise aus Zugangs-, Steuerungs- und Managementkomponenten, die auf einem oder auf mehreren IT-Systemen verteilt betrieben werden. Diese zentralen VDI-Komponenten verwalten unter anderem die Virtualisierungsinfrastruktur und stellen die Verbindungen zwischen zugreifenden und virtuellen Clients her. Daher sind die Virtualisierungsinfrastruktur, die angebundenen Storage-Systeme sowie die virtuellen und zugreifenden Clients ebenfalls impliziter Teil der VDI. In diesem Baustein sind jedoch mit „VDI-Komponenten“ immer die folgenden drei zentralen Komponenten einer VDI gemeint:

  • Die VDI-Zugangskomponenten authentisieren die Benutzenden und entscheiden anhand ihrer Berechtigungen, ob Zugriffe erlaubt oder nicht erlaubt sowie für welchen Typ von virtuellem Client die Benutzenden autorisiert sind.
  • Die VDI-Steuerungskomponenten wählen für die erlaubten Zugänge die entsprechenden virtuellen Clients aus und stellen die Verbindung zwischen zugreifendem und virtuellem Client her.
  • Die VDI-Managementkomponenten verwalten die Regeln (z. B. die Zuordnung von Benutzenden zu Clienttypen) und Einstellungen (z. B. die zu nutzenden Protokolle). Außerdem verwalten sie die virtuellen Clients (gemäß SYS.2.5 Client-Virtualisierung). Dies umfasst auch die zugewiesenen Ressourcen und deren Provisionierung sowie die Terminalserver-spezifischen Einstellungen der virtuellen Clients.

Außerdem kann es zusätzlich erforderlich sein, dass weitere Infrastrukturdienste angebunden werden, die nicht zur VDI-Lösung selbst gehören (z. B. Verzeichnisdienste, Namensauflösung oder IP-Adress-Management).

VDIs werden in der Regel eingesetzt, um zentral administrierbare standardisierte Arbeitsplätze effizient zur Verfügung zu stellen. Dies wird beispielsweise genutzt, um klassische physische Clients durch Thin Clients zu ersetzen.

Zielsetzung

Ziel dieses Bausteins ist es, Informationen zu schützen, die beim Einsatz einer VDI gespeichert, verarbeitet und übertragen werden. Hierzu werden spezielle Anforderungen an die in der Einleitung beschriebenen Komponenten einer VDI gestellt.

Abgrenzung und Modellierung

Der Baustein SYS.2.6 Virtual Desktop Infrastructure ist auf jedes IT-System anzuwenden, das als Teil einer VDI-Lösung eingesetzt wird.

Dieser Baustein behandelt die folgenden Inhalte:

Der Baustein SYS.2.6 Virtual Desktop Infrastructure behandelt den sicheren Einsatz einer VDI. Dabei wird der Fokus auf die drei zentralen Komponenten einer VDI gelegt.

Dieser Baustein beinhaltet spezifische Anforderungen an die verwendeten Netze, um die Kommunikation zwischen zugreifendem Client und Virtualisierungsinfrastruktur abzusichern.

Folgende Inhalte sind ebenfalls von Bedeutung und werden an anderer Stelle behandelt:

  • Die grundlegende Funktionalität der Kommunikation zwischen einem zugreifenden und einem virtuellen Client in einer VDI-Lösung wird mithilfe von Terminalserver-Techniken erfüllt. Daher ist der Baustein SYS.1.9 Terminalserver ebenfalls auf die VDI-Lösung anzuwenden, wobei die einzelnen virtuellen Clients die eigentlichen Terminalserver sind.
  • Ebenfalls sind die Bausteine SYS.2.5 Client-Virtualisierung und SYS.1.5 Virtualisierung für die einzelnen virtuellen Clients bzw. die Virtualisierungsinfrastruktur anzuwenden, speziell für die Isolation der virtuellen Clients über den Virtualisierungsserver.
  • Grundsätzliche Anforderungen an die einzelnen Server-Komponenten sowie die zugreifenden und virtuellen Clients sind dem Baustein SYS.1.1 Allgemeiner Server bzw. SYS.2.1 Allgemeiner Client zu entnehmen. Außerdem sind gegebenenfalls betriebssystemspezifische Bausteine anzuwenden.
  • Der Baustein NET.1.1 Netzarchitektur und -design muss angewendet werden, um die Netze abzusichern, die für die VDI genutzt werden.

Dieser Baustein behandelt nicht

  • diejenigen IT-Systeme, die im Kontext der VDI zusätzlich zu den oben beschriebenen VDI-Komponenten verwendet werden (z. B. Storage Systeme) sowie
  • die Techniken, die bei der Virtualisierung oder für die Kommunikation zwischen zugreifenden und virtuellen Clients eingesetzt werden.

Wissenswertes

Für den Baustein SYS.2.6 Virtual Desktop Infrastructure sind keine weiterführenden Informationen vorhanden.

1. Overview

Summary Standard
SYS.2.6.A1 Planung des Einsatzes einer VDI (B)

Die Leistungsanforderungen und Anzahl der benötigten virtuellen Clients sowie die daraus resultierenden Anforderungen an die Dimensionierung der VDI MÜSSEN identifiziert werden. Die VDI-Komponenten MÜSSEN anhand dieser Dimensionierungsanforderungen bedarfsgerecht geplant werden. Die VDI-Komponenten und die genutzte Virtualisierungsinfrastruktur MÜSSEN aufeinander abgestimmt geplant werden.

Bei der Dimensionierung der VDI MUSS berücksichtigt werden, ob und wie sich die Anforderungen hieran über den geplanten Einsatzzeitraum der VDI-Lösung ändern. Der Support MUSS für den gesamten geplanten Einsatzzeitraum der VDI-Lösung bei der Planung mitberücksichtig werden.

Die Anzahl virtueller Clients und deren benötigte Leistung pro Virtualisierungsserver MUSS festgelegt werden.

SYS.2.6.A2 Sichere Installation und Konfiguration der VDI-Komponenten (B)

Wenn die VDI-Komponenten installiert und konfiguriert werden, MUSS mindestens berücksichtigt werden, wie:

  • auf betrieblich und technisch notwendige Funktionen beschränkt wird,
  • die Kommunikation zwischen VDI-Komponenten abgesichert wird sowie
  • virtuelle Clients sicher den Benutzenden oder Gruppen hiervon zugewiesen werden.

Empfehlungen von dem herstellenden Unternehmen der VDI-Lösung für die sichere Konfiguration MÜSSEN berücksichtigt werden.

Die Konfigurationen der VDI-Komponenten MÜSSEN geeignet dokumentiert werden.

SYS.2.6.A3 Sichere Installation und Konfiguration der virtuellen Clients mithilfe der VDI (S)

Die VDI-Lösung SOLLTE genutzt werden, um die virtuellen Clients zu installieren und zu konfigurieren. Virtuelle Clients SOLLTEN NICHT manuell in die VDI-Lösung integriert werden. In der für die VDI verwendeten Virtualisierungsinfrastruktur SOLLTEN virtuelle Clients NICHT unabhängig von der VDI erzeugt werden.

SYS.2.6.A4 Netzsegmentierung der VDI-Komponenten (S) [Planende]

Die VDI-Komponenten inklusive der virtuellen Clients SOLLTEN bei der Netzsegmentierung gesondert berücksichtigt werden. Netze SOLLTEN dabei mindestens mit Hilfe der Virtualisierungsinfrastruktur getrennt werden. Dedizierte Netzsegmente SOLLTEN mindestens für das Administrationsnetz der VDI-Komponenten und für die Netze der internen Kommunikation zwischen VDI-Komponenten eingerichtet werden.

SYS.2.6.A5 Standardisierter Zugriff auf virtuelle Clients (S)

Die Mechanismen und Dienste der VDI-Lösung SOLLTEN genutzt werden, um die Zugriffe auf die virtuellen Clients zu steuern und abzusichern. Falls eine zusätzliche Software für diese Zugriffe auf den zugreifenden Clients eingesetzt wird, SOLLTE diese Software standardisiert und zentralisiert bereitgestellt werden.

SYS.2.6.A6 Verwendung einer dedizierten Infrastruktur für virtuelle VDI-Komponenten (S)

Falls die VDI-Komponenten virtualisiert betrieben werden, SOLLTEN sie auf einer dedizierten Virtualisierungsinfrastruktur betrieben werden.

SYS.2.6.A7 Härtung der virtualisierten Clients durch die VDI-Lösung (S)

Die Möglichkeiten der VDI-Lösung SOLLTEN für die Härtung der virtuellen Clients entsprechend den Anforderungen des Bausteins SYS.2.5 Client-Virtualisierung genutzt werden. Die Betriebssysteme der Clients SOLLTEN ausschließlich über die Managementkomponente der VDI-Lösung konfiguriert werden. Eine individuelle Konfiguration bestehender virtueller Clients über die Virtualisierungsinfrastruktur SOLLTE mit technischen Mitteln unterbunden werden.

SYS.2.6.A8 Härtung der VDI-Lösung (S)

Eine automatische Anmeldung an der VDI SOLLTE nicht möglich sein. Die Authentisierung SOLLTE nur erfolgen, nachdem die Benutzenden mit der VDI interagiert haben.

SYS.2.6.A9 Einbindung der virtuellen Clients in das Patch- und Änderungsmanagement (S)

Die virtuellen Clients SOLLTEN, wenn möglich, zentral über die Managementkomponenten der VDI-Lösung verwaltet werden. Die virtuellen Clients SOLLTEN auch im ausgeschalteten Zustand gepatcht werden, falls dies von der VDI-Lösung unterstützt wird. Die Templates, aus denen virtuelle Clients erzeugt werden, SOLLTEN regelmäßig aktualisiert werden.

SYS.2.6.A10 Monitoring von Verfügbarkeit und Nutzungsgrad der VDI (S)

Der Zustand der VDI-Komponenten SOLLTE zentral überwacht werden. Es SOLLTEN mindestens folgende Parameter für jede VDI-Komponente überwacht werden:

  • Erreichbarkeit der benötigten Netzschnittstellen
  • Verfügbarkeit der von der VDI-Komponente bereitgestellten Dienste
  • Auslastung der CPU und des Arbeitsspeichers
SYS.2.6.A11 Monitoring von sicherheitsrelevanten Ereignissen der VDI (S)

Für die VDI-Komponenten SOLLTEN mindestens die folgenden Ereignisse an ein zentrales Monitoring weitergeleitet werden:

  • erfolgreiche und fehlgeschlagene Anmeldeversuche
  • Konfigurationsänderungen an VDI-Komponenten oder virtuellen Clients
  • erfolgreiche und fehlgeschlagene Updates an VDI-Komponenten
  • fehlgeschlagene Updates an virtuellen Clients

Die VDI-Komponenten SOLLTEN regelmäßig auf Schwachstellen überprüft werden.

SYS.2.6.A12 Verteilung von virtuellen Clients auf Virtualisierungsservern (S)

Pro Virtualisierungsserver SOLLTE die maximale Leistung festgelegt werden, die dieser für virtuelle Clients zur Verfügung stellen darf. Diese Grenzwerte SOLLTEN in der VDI-Managementkomponente genutzt werden, um bei hoher Auslastung die virtuellen Clients auf verschiedene Virtualisierungsserver zu verteilen.

SYS.2.6.A13 Verwendung getrennter VDI-Lösungen für unterschiedliche Benutzendengruppen (H)

Es SOLLTE geprüft werden, ob es Benutzendengruppen gibt, die sich in ihren Berechtigungen so stark unterscheiden, dass die Nutzung einer gemeinsamen VDI-Lösung nicht sinnvoll ist. In diesem Fall SOLLTE jeweils eine eigene VDI-Lösung pro Benutzendengruppe verwendet werden.

SYS.2.6.A14 Verwendung von nicht-persistenten virtuellen Clients (H)

Nachdem sie benutzt wurden oder zu einem definierten Zeitpunkt SOLLTEN die virtuellen Clients auf ihren Grundzustand, d. h. auf das zugrundeliegende Template, zurückgesetzt oder bei Bedarf neu provisioniert werden. Diese Zeitfenster SOLLTEN dokumentiert und an die Betroffenen kommuniziert werden. Nicht zurückgesetzte virtuelle Clients SOLLTEN NICHT von mehreren unterschiedlichen Benutzenden verwendet werden.

SYS.2.6.A15 Hochverfügbare Bereitstellung der VDI-Komponenten (H)

Die VDI-Komponenten SOLLTEN redundant ausgelegt werden. Jede Komponente SOLLTE darüber hinaus redundant an die relevanten Netze angeschlossen werden. Falls die VDI-Komponenten auf physischen IT-Systemen betrieben werden, SOLLTEN diese IT-Systeme über redundante Stromversorgung und Datenspeicher verfügen. Falls die VDI-Komponenten virtualisiert betrieben werden, SOLLTEN Mechanismen der Virtualisierungsinfrastruktur für die Hochverfügbarkeit eingesetzt werden.

SYS.2.6.A16 Integration der VDI in ein SIEM (H)

Wird ein Security Information and Event Management (SIEM) genutzt, SOLLTEN die VDI-Komponenten darin eingebunden werden. Im SIEM SOLLTEN die überwachten Ereignisse automatisiert hinsichtlich Anomalien inklusive Angriffsmustern analysiert werden.

1.1 References

1.2 Identified Requirements

1.3 Related Regulations

2. Identified Requirements

Requirements
Source Requirement

3. Related Regulations

Regulations
Source Regulation

Linked Issues