+BES.4 Auswahl von Produkten und Dienstleistungen
---+BES.4.1 Klassifizierung von Beschaffungsvorhaben
---+BES.4.2 Dokumentation der Beschaffungskriterien
---+BES.4.3 Beschaffung anhand der Kriterien
---+BES.4.4 Vertragsvorlage für Outsourcing
---+BES.4.5 Security by Design
------+BES.4.5.1 Entwicklung nach einem Sicherheitslebenszyklus
------+BES.4.5.2 Mandantentrennung
---+BES.4.6 Security by Default
------+BES.4.6.1 Authentifizierung des Kunden
------+BES.4.6.2 Verschlüsselung durch den Anbieter
------+BES.4.6.3 Manipulationsschutz
---+BES.4.7 ISMS beim Dienstleister
---+BES.4.8 Konformitätsnachweise
------+BES.4.8.1 Zertifizierung
------+BES.4.8.2 Cloud-Konformität
------+BES.4.8.3 IT-Grundschutz-Analyse der Infrastruktur
------+BES.4.8.4 Offenlegung der Risikoanalyse
---+BES.4.9 Sicherheitsüberprüfung (extern)

BES.4 Auswahl von Produkten und Dienstleistungen

1. Oversigt

Titel Standard
BES.4.1 Klassifizierung von Beschaffungsvorhaben

Beschaffungsmanagement für Einkäufe SOLLTE dem Beschaffungsvorhaben eine Klasse zuweisen.

Erläuterung

Hierzu kann auf die Klassifizierung von Informationen zurückgegriffen werden, die vom zu beschaffenden Vertrag betroffen sind. Oft verfügen Lieferanten über eigene Klassifizierungsschemata, die sie wiederum mit bestimmten Sicherheitsregelungen und -mechanismen verknüpft haben. In diesem Fall bietet sich ein Mapping zwischen den institutionseigenen Klassen und denen des Lieferanten an. Weitere Informationen zur Festlegung möglicher Kriterien, inklusive einer Risikobeurteilung, können der ISO/IEC 27036-3 entnommen werden.

BES.4.2 Dokumentation der Beschaffungskriterien

Beschaffungsmanagement für Einkäufe SOLLTE [Kriterien] für die Beschaffung dokumentieren.

Erläuterung

Beschaffungskriterien sind nachvollziehbare Bewertungsmaßstäbe, die bei der Anschaffung von IT-Produkten und Dienstleistungen berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass diese den Sicherheitsanforderungen der Institution entsprechen. Sie ergeben sich aus dem erfassten Bedarf (z.B. einer Beschreibung der Funktionen von IT-Produkten oder zu leistenden Diensten), sowie den Sicherheitsanforderungen an das zu beschaffende Produkt oder die Dienstleistung, die über das jeweilige Zielobjekt im Katalog gefiltert werden können. Beispiele für Beschaffungskriterien sind die Erfüllung definierter Sicherheitsstandards, Verschlüsselungsfähigkeiten, Authentifizierungsmechanismen, Autorisierungskonzepte, die Stärke der geforderten Mechanismen (z.B. Mehr-Faktor-Authentifizierung), Verfügbarkeitsgarantien (SLAs), Umfang und Qualität der Dokumentation, Regelungen zur Prüfung oder Überwachung der Sicherheitskontrollen, sowie Einsatzbedingungen wie Temperatur oder mobile Konnektivität. Relevant ist dabei der gesamte Lebenszyklus von Vertragsschluss über Entwicklung von Lösungen bis hin zu Regelungen für Kündigungen. Zu den Kriterien können auch Negativkriterien gehören, die eine Beschaffung verhindern würden (z.B. "Keine Komponenten von der unmittelbaren Konkurrenz oder aus Staaten von denen bekannt ist, dass sie Spionage gegen den Sektor der Institution betreiben"). Je nach Beschaffung kann dafür eine Beschreibung von Informationen und Methoden zur Bereitstellung oder zum Abruf der Informationen relevant sein, sowie eine Beschreibung bestimmter technischer Eigenschaften eines Systems oder einer Anwendung. Zur Umsetzung bietet es sich an, standardisierte Vertragsvorlagen für neue Verträge zu verwenden. Bei individuellen Verträgen, die einzelne Sicherheitskontrollmechanismen festlegen, bietet sich ein Austausch von Beschreibungen der Mechanismen über strukturierte Datenformate wie OSCAL an. Weitere Informationen zur Festlegung möglicher Kriterien, inklusive einer Risikobeurteilung, können der ISO/IEC 27036-3 entnommen werden.

BES.4.3 Beschaffung anhand der Kriterien

Beschaffungsmanagement für Einkäufe SOLLTE die Beschaffung anhand der festgelegten Kriterien verankern.

Erläuterung

Werden Waren, Systeme oder Dienstleistungen ohne überprüfbare Kriterien beschafft, kann dies zu Sicherheitslücken, finanziellen Schäden oder Abhängigkeiten führen. Beispielsweise könnte eine Institution Hardware von einem unbekannten Anbieter erwerben, deren Firmware Schadcode enthält, oder Cloud-Dienste nutzen, die ihre Datenhaltung in unsicheren Rechtsräumen vornehmen. Ebenso könnte ein IT-Dienstleister beauftragt werden, ohne dass geprüft wurde, ob er über angemessene Qualifikationen oder Referenzen verfügt, was im Ernstfall zu Ausfällen oder Datenverlust führen könnte.

BES.4.4 Vertragsvorlage für Outsourcing

Beschaffungsmanagement für Outsourcing SOLLTE Kriterien für Outsourcing-Dienstleistungen in einer standardisierten Richtlinie für Verträge dokumentieren.

Erläuterung

Eine standardisierte Richtlinie für Verträge enthält klare grundlegende Kriterien für Verträge mit Anbietenden von Outsourcing , etwa zu Datenlokationen, Test- und Freigabeverfahren, Compliance-Risiken bei Anbietenden von Outsourcing sowie bei Sub-Dienstleistenden, sowie weiteren Aspekte der Informationssicherheit für Outsourcing-Vorhaben. Der besondere Fokus auf Outsourcing ergibt sich daraus, dass hierbei nicht nur Werk- oder Dienstleistungen zugekauft werden, sondern sensible Prozesse oder Daten langfristig aus der direkten Kontrolle der Institution herausgegeben werden. Ohne standardisierte Kriterien könnte ein eigenhändisch formulierter Vertrag z. B. unpräzise Datenschutzregelungen enthalten, was im Vorfallfall dazu führen könnte, dass vertrauliche Daten in ein unsicheres Drittland gelangen oder dass bei Ausfällen keine klaren Eskalationswege bestehen.

BES.4.5 Security by Design

Beschaffungsmanagement für Einkäufe SOLLTE Security by Design vereinbaren.

Erläuterung

Security by Design gilt als vereinbart, wenn eine Vorgehensweise nach diesem Prinzip oder eine bestimmte Sicherheitsarchitektur Vertragsbestandteil geworden sind, unabhängig von der Frage, von welchem Vertragspartner dies in den Vertrag eingebracht wurde. Zu einer Sicherheitsarchitektur gehören beispielsweise eine Beschreibung der bereitgestellten Schnittstellen und deren Sicherheitsmechanismen, ein Architekturdiagramm, sowie Schemata zum Aufbau von Komponenten oder von Quellcode.

BES.4.6 Security by Default

Beschaffungsmanagement für Einkäufe SOLLTE Security by Default vereinbaren.

Erläuterung

Der Detaillierungsgrad der Kriterien kann sich hierbei nach Umfang und Klassifizierung der Beschaffung richten. Bei einfachen Beschaffungen von geringer Bedeutung kann es ausreichend sein grundlegende Sicherheitsmechanismen wie Verschlüsselung und Authentifizierung zu vereinbaren, während bei umfangreichen oder anderweitig risikobehafteten Beschaffungen eine Vereinbarung einzelner Sicherheitsmechanismen sinnvoll ist.

BES.4.7 ISMS beim Dienstleister

Beschaffungsmanagement für Outsourcing SOLLTE ein Managementsystem für Informationssicherheit (ISMS) vereinbaren.

Erläuterung

Ohne klare Vorgaben zum Managementsystem könnte ein Anbieter vertrauliche Daten unverschlüsselt übertragen, Sicherheitslücken in seiner Infrastruktur nicht rechtzeitig schließen oder sicherheitsrelevante Vorfälle nicht transparent melden. Durch abgestimmte Sicherheitsstandards kann dagegen die Vertraulichkeit von Daten gewahrt, die Integrität von Prozessen gesichert und die Nachvollziehbarkeit bei Vorfällen verbessert werden. Das Vorhandensein lässt sich durch ein Zertifikat nachweisen, z.B. nach ISO/IEC 27001:2022 oder BSI IT-Grundschutz.

BES.4.8 Konformitätsnachweise

Beschaffungsmanagement für Einkäufe SOLLTE Nachweise des Lieferanten zur Erfüllung der Sicherheitskriterien vereinbaren.

Erläuterung

Nachweise können z.B. durch eine passende Zertifizierung (etwa nach IT-Grundschutz bei Dienstleistern oder CCRA bei IT-Produkten), ein Testat (z.B. C5-Testat für Cloud-Anbieter), oder durch die Vorlage von Sicherheitskonzepten, Risikoanalysen und Pentesting-Ergebnissen erbracht werden.

BES.4.9 Sicherheitsüberprüfung (extern)

Beschaffungsmanagement für Einkäufe KANN Sicherheitsüberprüfungen für Personen, die vom Lieferanten mit der Vertragsdurchführung beauftragt werden, vereinbaren.

Erläuterung

Eine Sicherheitsüberprüfung meint die Verifikation von Identität, beruflicher Qualifikation und Verlässlichkeit von allen Personen mit Zugriff auf schützenswerte Informationen, hier konkret des beauftragten Personal des Lieferanten. Die Sicherheitsüberprüfung kann je nach Vereinbarung vom Lieferanten oder dem Auftraggeber ausgeführt werden. Die Verlässlichkeit kann z.B. anhand eines polizeilichen Führungszeugnisses und einer OSINT-Recherche verifiziert werden. Hierbei besteht ein enger Bezug zum Persönlichkeits- und Datenschutzrecht der Betroffenen.

1.1 Referencer

1.2 Identificerede krav

1.3 Relaterede reguleringer

2. Identificerede krav

Krav
Kilde Krav

3. Relaterede reguleringer

Reguleringer
Kilde Regulering