+IND.1 Prozessleit- und Automatisierungstechnik
---+IND.1.G1 Beeinträchtigung durch schädliche Umgebungseinflüsse
---+IND.1.G2 Ungeeignete Einbindung der OT in die Sicherheitsorganisation
---+IND.1.G3 Ungeeignete Einbindung der OT in betriebliche Abläufe
---+IND.1.G4 Unzureichender Zugangsschutz
---+IND.1.G5 Unsicherer Projektierungsprozess/Anwendungsentwicklungsprozess
---+IND.1.G6 Unsicheres Administrationskonzept und Fernadministration
---+IND.1.G7 Unzureichende Überwachungs- und Detektionsverfahren
---+IND.1.G8 Unzureichendes Testkonzept
---+IND.1.G9 Mangelnde Life-Cycle-Konzepte
---+IND.1.G10 Unzureichende Sicherheitsanforderungen bei der Beschaffung
---+IND.1.G11 Einsatz unsicherer Protokolle
---+IND.1.G12 Unsichere Konfigurationen von ICS-Komponenten
---+IND.1.G13 Abhängigkeiten der OT von IT-Netzen
---+IND.1.A1 Einbindung in die Sicherheitsorganisation (B)
---+IND.1.A3 Schutz vor Schadprogrammen (B)
---+IND.1.A18 Protokollierung (B) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]
---+IND.1.A19 Erstellung von Datensicherungen (B) [Mitarbeitende, OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]
---+IND.1.A4 Dokumentation der OT-Infrastruktur (S)
---+IND.1.A5 Entwicklung eines geeigneten Zonenkonzepts (S) [Planende]
---+IND.1.A6 Änderungsmanagement im OT-Betrieb (S)
---+IND.1.A7 Etablieren einer übergreifenden Berechtigungsverwaltung zwischen der OT und in der Office-IT (S)
---+IND.1.A8 Sichere Administration (S) [IT-Betrieb]
---+IND.1.A9 Restriktiver Einsatz von Wechseldatenträgern und mobilen Endgeräten in ICS-Umgebungen (S)
---+IND.1.A10 Monitoring, Protokollierung und Detektion (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]
---+IND.1.A11 Sichere Beschaffung und Systementwicklung (S)
---+IND.1.A12 Etablieren eines Schwachstellen-Managements (S)
---+IND.1.A20 Systemdokumentation (S) [Mitarbeitende, OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]
---+IND.1.A21 Dokumentation der Kommunikationsbeziehungen (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]
---+IND.1.A22 Zentrale Systemprotokollierung und -überwachung (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]
---+IND.1.A23 Aussonderung von ICS-Komponenten (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]
---+IND.1.A13 Notfallplanung für OT (H)
---+IND.1.A14 Starke Authentisierung an OT-Komponenten (H)
---+IND.1.A15 Überwachung von weitreichenden Berechtigungen (H)
---+IND.1.A16 Stärkere Abschottung der Zonen (H)
---+IND.1.A17 Regelmäßige Sicherheitsüberprüfung (H)
---+IND.1.A24 Kommunikation im Störfall (H) [Mitarbeitende, OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

IND.1 Prozessleit- und Automatisierungstechnik

Einleitung

Prozessleit- und Automatisierungstechnik (Operational Technology, OT) ist Hard- und Software, die physische Geräte, Prozesse und Ereignisse in der Institution überwacht und steuert.

In der Industrie, zu der unter anderem auch die Kritischen Infrastrukturen gehören, zählen dazu insbesondere industrielle Steuerungssysteme (Industrial Control Systems, ICS) und Automationslösungen, die dort Steuerungs- und Regelfunktionen aller Art übernehmen. Weitere Beispiele sind Laborgeräte, z. B. automatisierte Mikroskope oder Analysewerkzeuge, Logistiksysteme, wie Barcodescanner mit Kleinrechner, oder Gebäudeleittechnik.

Die in der Vergangenheit übliche physische Trennung der OT von anderen IT-Systemen und Datennetzen in Büroanwendungen ist heute aufgrund zunehmender Integrationsanforderungen nur in Ausnahmefällen bei erhöhtem Schutzbedarf anwendbar. Mehrstufige Produktionsschritte und deren übergreifende Steuerung sowie regulatorische Anforderungen machen es zunehmend notwendig, die OT auch über Organisationsgrenzen hinweg zu öffnen. Diese Entwicklung wird durch den Trend zur Optimierung von Fertigungsprozessen noch beschleunigt, vor allem im Rahmen der Industrie 4.0.

Da in der OT zunehmend auch IT-Komponenten aus der Office-IT eingesetzt werden, ist diese inzwischen ähnlich gefährdet. Gleichzeitig weist die OT gegenüber der klassischen IT aber wesentliche Unterschiede auf, die es erschweren, dort etablierte Sicherheitsverfahren anzuwenden. So kann es aufgrund von Vorgaben der herstellenden Unternehmen oder gesetzlichen Anforderungen Beschränkungen geben, die Veränderungen an Komponenten verhindern oder erschweren, wie zum Beispiel das Einspielen von Sicherheitsupdates oder nachträgliche Härtungsmaßnahmen. Die OT unterliegt zudem in der Regel deutlich längeren Lebenszyklen, auch über die Unterstützung der herstellenden Unternehmen hinaus, sodass Sicherheitsupdates nicht durchgängig verfügbar sind.

Ein wesentlicher Unterschied ergibt sich für die OT auch aus den oft hohen Verfügbarkeits- und Integritätsanforderungen. Denn im Vergleich dazu ist bei der Office-IT die Verfügbarkeit häufig von nachrangiger Bedeutung. Störungen von OT-Systemen können dagegen Gefährdungen von Leib, Leben und Umwelt nach sich ziehen und sind zumeist nicht durch einen Neustart zu beheben.

Zielsetzung

Ziel dieses Bausteins ist es, geeignete Anforderungen an die Informationssicherheit der OT aufzuzeigen. Er enthält komponentenübergreifende, konzeptionelle und architektonische Sicherheitsanforderungen.

Abgrenzung und Modellierung

Der Baustein IND.1 Prozessleit- und Automatisierungstechnik ist auf jedes IT-System mit Prozessleit- und Automatisierungstechnik innerhalb des Informationsverbunds mindestens einmal anzuwenden.

Der Baustein ist übergreifend umzusetzen. Bestehen in den einzelnen Bereichen mit Prozessleit- und Automatisierungstechnik unterschiedliche Sicherheitsanforderungen an die Informationssicherheit, sollte der Baustein auf jedes IT-System getrennt angewandt werden.

Die Ausgestaltung der OT kann je nach Zweck, Branche, den eingesetzten IT-Systemen und der Technik sowie aufgrund des langen Einsatzzeitraums selbst bei vergleichbaren Anwendungsfällen stark variieren. Werden die Sicherheitsmaßnahmen auf Basis der Anforderungen aus diesem Baustein ausgewählt, sind diese Besonderheiten dabei zu berücksichtigen. Sie können wesentlichen Einfluss auf die Ausgestaltung des Sicherheitskonzepts nehmen. Auch der Risikoanalyse kann aus diesem Grund bereits bei der Erstellung eines Sicherheitskonzepts für den normalen Schutzbedarf eine hohe Bedeutung zukommen.

Das Betriebspersonal sollte in Bezug auf relevante Bedrohungen und Gefährdungen geschult und sensibilisiert werden. Hierfür ist der Baustein ORP.3 Sensibilisierung und Schulung zur Informationssicherheit umzusetzen.

Zusätzlich zu diesem Baustein ist die umgebende Infrastruktur der OT, also Standorte, Anlagen, Gebäude oder Räume, durch möglichst spezifische Bausteine zu modellieren, um die Schutzwirkung dieses Bausteins zu ergänzen.

Für eine geeignete Protokollierung im Bereich der Prozessleit- und Steuerungstechnik ist der Baustein OPS.1.1.5 Protokollierung umzusetzen.

ICS-Systeme sollten grundsätzlich mit berücksichtigt werden, wenn der Baustein ORP.4 Identitäts- und Berechtigungsmanagement umgesetzt wird.

Wissenswertes

Das BSI hat mit dem Dokument „Empfehlungen für Fortbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen im ICS-Umfeld“ entsprechende Hilfestellungen zur Absicherung im ICS-Umfeld veröffentlicht.

Mit dem „ICS Security Kompendium“ gibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Hilfestellungen für den Test der Komponenten und Maßnahmen für die IT-Sicherheit in ICS für Herstellende und Integratoren von ICS.

Die International Organization for Standardization (ISO) macht in der Norm ISO/IEC 27019 „Information technology - Security techniques - Information security controls for the energy utility industry Vorgaben für die Absicherung von Energieversorgern".

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) und Oesterreichs E-Wirtschaft bietet mit dem Dokument „Whitepaper: Anforderungen an sichere Steuerungs- und Telekommunikationssysteme“ eine Hilfestellung zum sicheren Betrieb von Steuerungs- und Telekommunikationssystemen.

Die internationale Norm IEC 62443-2-1:2010 „Industrial communication networks - Network and system security: Part 2-1: Establishing an industrial automation and control system security program, International Electrotechnical Commission (IEC)", 2010, legt fest, was zur Einrichtung von IT-Sicherheit in Netzen und Systemen notwendig ist.

1. Übersicht

Bezeichnung Standard
IND.1.A1 Einbindung in die Sicherheitsorganisation (B)

Ein Managementsystem für Informationssicherheit (ISMS) für den Betrieb der OT-Infrastruktur MUSS entweder als selbständiges ISMS oder als Teil eines Gesamt-ISMS existieren.

Eine gesamtverantwortliche Person für die Informationssicherheit im OT-Bereich MUSS benannt werden. Er oder sie MUSS innerhalb der Institution bekannt gegeben werden.

IND.1.A3 Schutz vor Schadprogrammen (B)

Beim Einsatz von Virenschutz-Software auf OT-Komponenten MUSS berücksichtigt werden, ob und in welcher Konfiguration der Betrieb von Virenschutz-Software vom herstellenden Unternehmen unterstützt wird. Ist dies nicht der Fall, MUSS der Bedarf an alternativen Schutzverfahren geprüft werden.

Die Virensignaturen DÜRFEN NICHT von OT-Systemen direkt aus dem Internet bezogen werden.

IND.1.A18 Protokollierung (B) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Jede Änderung an ICS-Komponenten MUSS protokolliert werden. Außerdem MÜSSEN alle Zugriffe auf ICS-Komponenten protokolliert werden.

IND.1.A19 Erstellung von Datensicherungen (B) [Mitarbeitende, OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Programme und Daten MÜSSEN regelmäßig gesichert werden. Auch nach jeder Systemänderung an OT-Komponenten MUSS eine Sicherung erstellt werden.

IND.1.A4 Dokumentation der OT-Infrastruktur (S)

Alle sicherheitsrelevanten Parameter der OT-Infrastruktur SOLLTEN dokumentiert sein. In einem Bestandsverzeichnis SOLLTEN alle Software- und Systemkomponenten geführt werden. Hieraus SOLLTEN die eingesetzten Produkt- und Protokollversionen sowie die Zuständigkeiten hervorgehen. Zu den eingesetzten Komponenten SOLLTEN eventuelle Restriktionen der herstellenden Unternehmen oder regulatorische Auflagen bestimmt sein. Diese Dokumentation und ein Systeminventar SOLLTEN beispielsweise in einem Leitsystem geführt werden.

Zusätzlich SOLLTE ein aktueller Netzplan Zonen, Zonenübergänge (Conduits), eingesetzte Kommunikationsprotokolle und -verfahren sowie Außenschnittstellen dokumentieren. Bei den Schnittstellen SOLLTEN aktive Netzkomponenten und manuelle Datentransferverfahren, z. B. durch Wechseldatenträger, berücksichtigt werden. Zonen und Conduits schützen die OT-Infrastrukur, indem die Automatisierungslösung in Zellen und Kommunikationskanälen strukturiert werden SOLLTE.

IND.1.A5 Entwicklung eines geeigneten Zonenkonzepts (S) [Planende]

Die OT-Infrastruktur SOLLTE auch horizontal in unabhängige Funktionsbereiche, wie etwa Anlagen, segmentiert werden. Die einzelnen Zonen SOLLTEN, so weit wie möglich, im Betrieb voneinander unabhängig sein. Insbesondere die Zonen, in denen der technische Prozess gesteuert wird, SOLLTEN bei einem Ausfall der anderen Zonen für einen gewissen Zeitraum weiter funktionstüchtig sein. Auch SOLLTE die Abkopplung nach einem Angriff weiter funktionieren. Dieser Zeitraum SOLLTE geeignet definiert und dokumentiert werden. Das Netz SOLLTE manipulations- und fehlerresistent konzipiert werden.

IND.1.A6 Änderungsmanagement im OT-Betrieb (S)

Für Änderungen an der OT SOLLTE ein eigener Änderungsprozess definiert, dokumentiert und gelebt werden.

IND.1.A7 Etablieren einer übergreifenden Berechtigungsverwaltung zwischen der OT und in der Office-IT (S)

Die Institution SOLLTE einen Prozess zur Verwaltung von Zugängen und zugeordneten Berechtigungen für den Zugriff auf die OT etablieren. Die Berechtigungsverwaltung SOLLTE den Prozess, die Durchführung und die Dokumentation für die Beantragung, Einrichtung und den Entzug von Berechtigungen umfassen.

Die Berechtigungsverwaltung SOLLTE gewährleisten, dass Berechtigungen nach dem Minimalprinzip vergeben und regelmäßig überprüft werden. In der Berechtigungsverwaltung SOLLTEN die Zugriffe auf IT-Systeme für Mitarbeitende, Administrierende und Dritte geregelt sein. Jeder oder jede Beteiligte SOLLTE regelmäßig zu den einzuhaltenden Regelungen sensibilisiert werden. Die Einhaltung SOLLTE überprüft werden. Fehlverhalten SOLLTE sanktioniert werden.

IND.1.A8 Sichere Administration (S) [IT-Betrieb]

Für die Erstkonfiguration, Verwaltung und Fernwartung in der OT SOLLTEN entweder sichere Protokolle oder abgetrennte Administrationsnetze mit entsprechendem Schutzbedarf genutzt werden. Der Zugang zu diesen Schnittstellen SOLLTE auf die Berechtigten eingeschränkt sein. Es SOLLTE nur der Zugriff auf die Systeme und Funktionen gewährt sein, die für die jeweilige Administrationsaufgabe benötigt werden.

Die Systeme und Kommunikationskanäle, mit denen die Administration oder Fernwartung durchgeführt wird, SOLLTEN das gleiche Schutzniveau aufweisen wie die verwaltete OT-Komponente.

IND.1.A9 Restriktiver Einsatz von Wechseldatenträgern und mobilen Endgeräten in ICS-Umgebungen (S)

Für die Nutzung von Wechseldatenträgern und mobilen Endgeräten SOLLTEN Regelungen aufgestellt und bekannt gegeben werden. Der Einsatz von Wechseldatenträgern und mobilen Endgeräten in ICS-Umgebungen SOLLTE beschränkt werden. Für Medien und Geräte von Dienstleistenden SOLLTEN ein Genehmigungsprozess und eine Anforderungsliste existieren. Die Vorgaben SOLLTEN allen Dienstleistenden bekannt sein und von diesen schriftlich bestätigt werden.

Auf den OT-Komponenten SOLLTEN alle nicht benötigten Schnittstellen deaktiviert werden. An den aktiven Schnittstellen SOLLTE die Nutzung auf bestimmte Geräte oder Medien eingeschränkt werden.

IND.1.A10 Monitoring, Protokollierung und Detektion (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Betriebs- und sicherheitsrelevante Ereignisse SOLLTEN zeitnah identifiziert werden. Hierzu SOLLTE ein geeignetes Log- und Event-Management entwickelt und umgesetzt werden. Das Log- und Event-Management SOLLTE angemessene Maßnahmen umfassen, um sicherheitsrelevante Ereignisse zu erkennen und zu erheben. Es SOLLTE zudem einen Reaktionsplan (Security Incident Response) enthalten.

Der Reaktionsplan SOLLTE Verfahren zur Behandlung von Sicherheitsvorfällen festlegen. Darin abgedeckt sein SOLLTEN die Klassifizierung von Ereignissen, Meldewege und Festlegung der einzubeziehenden Organisationseinheiten, Reaktionspläne zur Schadensbegrenzung, Analyse und Wiederherstellung von Systemen und Diensten sowie die Dokumentation und Nachbereitung von Vorfällen.

IND.1.A11 Sichere Beschaffung und Systementwicklung (S)

Sollen OT-Systeme beschafft, geplant oder entwickelt werden, SOLLTEN Regelungen zur Informationssicherheit getroffen und dokumentiert werden. Die Unterlagen SOLLTEN Teil der Ausschreibung sein.

Bei Beschaffungen, Planungen oder Entwicklungen SOLLTE die Informationssicherheit in dem gesamten Lebenszyklus berücksichtigt werden. Voraussetzungen und Umsetzungshinweise für einen sicheren Betrieb von ICS-Komponenten von den herstellenden Unternehmen SOLLTEN frühzeitig eingeplant und umgesetzt werden. Für ICS-Komponenten SOLLTEN einheitliche und dem Schutzbedarf angemessene Anforderungen an die Informationssicherheit definiert werden. Diese SOLLTEN berücksichtigt werden, wenn neue ICS-Komponenten beschafft werden. Die Einhaltung und Umsetzung SOLLTE dokumentiert werden.

Die Institution SOLLTE dokumentieren, wie sich das System in die Konzepte für die Zoneneinteilung, das Berechtigungs- und Schwachstellen-Management sowie für den Virenschutz einfügt und diese gegebenenfalls anpassen. Es SOLLTE geregelt sein, wie der Betrieb aufrechterhalten werden kann, falls einer der Kooperationspartner keine Dienstleistungen mehr anbietet.

IND.1.A12 Etablieren eines Schwachstellen-Managements (S)

Für den sicheren Betrieb einer OT-Umgebung SOLLTE die Institution ein Schwachstellen-Management etablieren. Das Schwachstellen-Management SOLLTE Lücken in Software, Komponenten, Protokollen und Außenschnittstellen der Umgebung identifizieren. Außerdem SOLLTEN sich daraus erforderliche Handlungen ableiten, bewerten und umsetzen lassen.

Grundlage dafür SOLLTEN Schwachstellenmeldungen von herstellenden Unternehmen oder öffentlich verfügbare CERT-Meldungen sein. Ergänzend hierzu SOLLTEN organisatorische und technische Audits zur Schwachstellenanalyse durchgeführt werden.

IND.1.A20 Systemdokumentation (S) [Mitarbeitende, OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Es SOLLTE eine erweiterte Systemdokumentation erstellt werden. Darin SOLLTEN Besonderheiten im Betrieb und die Möglichkeiten zur Systemverwaltung festgehalten werden. Außerdem SOLLTE dokumentiert werden, wenn ICS-Komponenten verändert werden.

IND.1.A21 Dokumentation der Kommunikationsbeziehungen (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Es SOLLTE dokumentiert werden, mit welchen Systemen eine ICS-Komponente welche Daten austauscht. Außerdem SOLLTEN die Kommunikationsverbindungen neu integrierter ICS-Komponenten dokumentiert werden.

IND.1.A22 Zentrale Systemprotokollierung und -überwachung (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Die Protokollierungsdaten von ICS-Komponenten SOLLTEN zentral gespeichert werden. Bei sicherheitskritischen Ereignissen SOLLTE automatisch alarmiert werden.

IND.1.A23 Aussonderung von ICS-Komponenten (S) [OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Wenn alte oder defekte ICS-Komponenten ausgesondert werden, SOLLTEN alle schützenswerten Daten sicher gelöscht werden. Es SOLLTE insbesondere sichergestellt sein, dass alle Zugangsdaten nachhaltig entfernt wurden.

IND.1.A13 Notfallplanung für OT (H)

Notfallpläne für den Ausfall und für die Kompromittierung jeder Zone SOLLTEN definiert, dokumentiert, nach jeder größeren Änderung getestet und regelmäßig geübt sein.

Zudem SOLLTE ein wirksames Ersatzverfahren für den Ausfall der (Fern-) Administrationsmöglichkeit definiert, dokumentiert und getestet sein.

IND.1.A14 Starke Authentisierung an OT-Komponenten (H)

Zur sicheren Authentisierung von privilegierten Benutzenden in Steuerungssystemen SOLLTE ein zentraler Verzeichnisdienst eingerichtet werden (siehe Baustein ORP.4 Identitäts- und Berechtigungsmanagement). Die Authentisierung SOLLTE durch den Einsatz mehrerer Faktoren wie Wissen, Besitz oder Biometrie zusätzlich abgesichert werden.

Bei der Planung SOLLTE darauf geachtet werden, dass daraus entstehende Abhängigkeiten in der Authentisierung bekannt sind und bei der Umsetzung der Lösung berücksichtigt werden.

Es SOLLTE sichergestellt werden, dass die Authentisierung von betrieblich erforderlichen technischen Konten auch in Notfällen durchgeführt werden kann.

IND.1.A15 Überwachung von weitreichenden Berechtigungen (H)

Die Institution SOLLTE ein Bestandsverzeichnis führen, das alle vergebenen Zutritts-, Zugangs und Zugriffsrechte auf kritische Systeme enthält. Das Verzeichnis SOLLTE beinhalten, welche Rechte ein bestimmter Benutzender oder eine bestimme Benutzende effektiv hat und wer an einem bestimmten System über welche Rechte verfügt.

Alle kritischen administrativen Tätigkeiten SOLLTEN protokolliert werden. Der IT-Betrieb SOLLTE NICHT die Protokolle löschen oder manipulieren können.

IND.1.A16 Stärkere Abschottung der Zonen (H)

Bei hoch schutzbedürftigen oder schlecht absicherbaren ICS-Umgebungen SOLLTEN vorbeugend Schnittstellensysteme mit Sicherheitsprüffunktionen eingesetzt werden.

Durch Realisierung einer oder mehrerer Anbindungszonen (DMZ) in P-A-P-Struktur SOLLTEN durchgängige Außenverbindungen terminiert werden. Erforderliche Sicherheitsprüfungen SOLLTEN so erfolgen, dass die ICS-Anlage nicht angepasst werden muss.

IND.1.A17 Regelmäßige Sicherheitsüberprüfung (H)

Die Sicherheitskonfiguration von OT-Komponenten SOLLTE regelmäßig und bedarfsorientiert bei plötzlich auftretenden neuen, bisher unbekannten Gefährdungen überprüft werden. Die Sicherheitsüberprüfung SOLLTE zumindest die exponierten Systeme mit Außenschnittstellen oder Benutzendeninteraktion umfassen. Auch das realisierte Sicherheitskonzept SOLLTE regelmäßig überprüft werden. Die Sicherheitsüberprüfung SOLLTE als Konfigurationsprüfung oder auch durch automatisierte Konformitätsprüfungen erfolgen.

IND.1.A24 Kommunikation im Störfall (H) [Mitarbeitende, OT-Betrieb (Operational Technology, OT)]

Alternative und unabhängige Kommunikationsmöglichkeiten SOLLTEN aufgebaut und betrieben werden.

1.1 Referenzen

1.2 Identifizierte Anforderungen

1.3 Zugehörige Regulierungen

2. Identifizierte Anforderungen

Anforderungen
Quelle Anforderung

3. Zugehörige Regulierungen

Regulierungen
Quelle Regulierung

Verknüpfte Vorgänge